Der Protagonist, deutschen Schauspieler, Franz Rogowski der in dem Film «Transit» spielt die Rolle eines deutschen Flüchtlings, Georg (der nach Marseille zieht und seine Identität ausweist,aber auch ein mexikanisches Visum für einen Schriftsteller), sprach exklusiv bei Fermouart.gr & 3pointmagazine.gr und erzählte uns Folgendes:

 

Herr Rogowski, der Film “Transit” basiert auf einen Roman von Anna Seghers und ist außer einer Liebesgeschichte, eine Bestätigung dafür, dass sich die Welt-Geschichte wiederholt und auch dafür, dass die Menschheit immer wieder die gleichen Fehler begeht. Ist das korrekt?

Ich glaube dass ein fiktionaler Stoff nur bedingt als Bestätigung der Weltgeschichte funktioniert.  Ich habe auch manchmal das Gefühl, dass wir uns im Kreis drehen aber es gefällt mir besser an eine Spirale zu denken.

 

Die Kritiker sagen dass “Transit” ein Anti-Casablanca Film ist, was denken Sie?

Immer wenn Christian einen neuen Film macht hat er tausend Referenzen und Bezüge im Kopf. Casablanca ist eine dieser Referenzen und hat ihn inspiriert. Es geht in beiden Filmen um die Fluchtroute über Marseille, beide Filme erzählen von der Okkupation, der Flucht, der Liebe auf der Flucht und auch der Transit – und Visa – Terror spielt in beiden Filmen eine Rolle.

Welche Elemente machen “Transit” einen ausgezeichneten / außergewöhnlichen Film?     

Das ist ja eine Unterstellung. Ob dieser Film außergewöhnlich ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Was sind die Hauptcharakteristiken der Person, die Sie spielen?

Stille und Sehnsucht.

 

Welchen Charaktereigenschaften von Georg finden Sie in sich selbst?

Ich habe versucht Georg möglichst nahe zu kommen und am Ende war es Georg der auf mich zugekommen ist. Die Eigenschaften Georgs fand ich in mir, das Verhältniss dieser Eigenschaften und den Kontext fand ich in der Geschichte.

Was haben Ihre Beziehung zu Driss, dem Jungen und Ihre Beziehung zu Marie, gemein? 

Beides sind fiktionale Charaktere denen ich erst mal etwas ratlos gegenüber stehe.  Mit der Zeit entdecke ich immer mehr Leben in diesen Figuren und eine Beziehung entsteht. Diese Beziehung ist die Grundlage für mein Spiel. Driss und Marie sind also 2 Sterne die mir den Weg geleuchtet haben.

Was haben Sie von dieser Zusammenarbeit mit dem Regisseur, Christian Petzold, gelernt?

Wir haben gelernt mit 3 Flaschen Rotwein intus in stockdunkler Nacht eine Partie Petanque zu gewinnen.

Bei der Berlinale 2018 waren Sie mit zwei Filmen vertreten, mit TRANSIT und IN DEN GAENGEN und wurden zudem als „European Shooting Star 2018“ ausgezeichnet. Wie fühlen Sie sich nach solchen Ehrungen?

Es ist schön so viel Anerkennung zu finden mit dem was man macht. Ich will aber nicht verblöden und bleibe daher streng mit mir. Ich bin jetzt zwar bekannter, aber besser als vorher bin ich nicht.

 

 

Kapitel: Münchner Kammerspiele – Das Theater – Ist das Ihre größte Liebe?

Ich würde eher sagen, dass es eine Suche ist. Auch ein Weg den ich gegangen bin. Und ein Teil meines Lebens. Aber lieben würde ich nicht sagen…

 

Sie haben einmal gesagt: “Ich suche Widerstand”. Können Sie das bitte weiter erläutern?

Ich will mich manchmal anlehnen. Nach einem langen Spaziergang zum Beispiel will ich mich mal anlehnen. Dazu brauche ich dann einen Widerstand – sonst falle ich durch die Wand.

 

Wovor versuchen Sie sich schützen?

Vor allem vor Lärm. Ich versuche mich so lang vor dem Lärm zu verstecken bis ich wieder hören kann und dann springe ich zurück in den Krach der Welt.

 

Was ist Ihnen das wichtigste im Leben?

Familie.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich bleibe 7 Wochen in Berlin.

 

Herr Rogowski, haben Sie schon mal Griechenland besucht?

Ja! Vor ein paar Jahren habe ich mit Jan Stahlberg in Griechenland einen Teil von ,,Fikkefuchs’’ gedreht. Wir hatten kein Geld für den Film und sind mit 2 Autos voller Kameraequippement und Kostümen 20 Stunden am Stück nach Griechenland gefahren, haben 2 Tage gedreht, dann hat sich das ganze Team mit Hustensaft aus der Apotheke und Raki abgeschossen. Es gab mehrere Leute im Team die größere Gedächtnisslücken hatten und mit wildfremden Menschen im Bett aufgewacht sind. Dann gings wieder 20h zurück nach Berlin. Einen Teil bin ich selbst gefahren, den Rest der Zeit hab ich in der Fussablage der Rückbank gepennt.

Das Interview wurde von Dimi Theodoraki in deutscher Sprache geführt und von ihr ins Griechische übersetzt.

 

https://fermouart.gr/2019/05/02/franz-rogowski-interview-transit/