Interview by Dimi Theodoraki

 

Frank Buttenbender wurde 1972 in Dresden geboren, wo er seither lebt. Er mag Musik (vor allem Jazz), Reisen nach Georgien, begeistert sich für Bücher und Filme – und natürlich für Fotografie.

Frank, zuerst moechte du uns sagen, was bedeutet ein gutes Foto für dich? 

Ein Foto, das man nicht aus dem Kopf bekommt und unter 1000en anderen sofort wieder erkennt.

Farb- oder Schwarzweißfotos? 

Ich habe bislang überwiegend schwarz-weiß gearbeitet, da ich bis auf einige Ausnahmen immer der Meinung bin, dass Farbe zu sehr den Blick vom Motiv ablenkt. Insbesondere gilt das für Portraits. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, wo Farbe Sinn macht. Z. B. hatte ich letztes Jahr ein Shooting mit einer georgischen Wandmalerin, da war es natürlich sinnvoll, die Farben auch im Bild unterzubringen. Aber das ist wie gesagt eine seltene Ausnahme.

 

Martin Gore_Depeche Mode_Dresden 2017

 

Fotografie ist für dich ein Beruf oder ein Hobby? 

Es ist meine Leidenschaft, ich muss und möchte nicht davon leben und im Auftrag anderer tätig sein, weil sonst genau das verloren geht, was ich unbedingt brauche: die Freiheit der Entscheidung, was, wann, wo und wie ich fotografiere.

Der Begriff Hobby hat für mich allerdings etwas Beliebiges, weniger ernsthaftes. Eher so ein Zeitvertreib. Fotografie war für mich immer ganz klar mehr als nur ein Zeitvertreib, er ist gemeinsam mit meiner Liebe zur Musik der wichtigste Teil in meinem Leben.

 

Die Krupps_Dresden 2014

 DieKrupps_Dresden2014.jp

Durch welchen Anlass hast du dich mit Fotografie beschäftigt und wann? 

Durch eine befreundete Band bin ich 2005 in die Konzertfotoszene gerutscht und dort dann für viele Jahre geblieben. Ich hatte mit einer Freundin ein eigenes Onlinemagazin gegründet, um weitgehend unabhängig zu sein. Es gab da tolle Momente, wie ein Skinny Puppy Konzert in New York oder auch die Shows von FKA twigs und Depeche Mode. Allerdings hat mich das Fotografieren bei Konzerten irgendwann zu sehr genervt, da die Begleitumstände nicht besonders erfreulich waren.

Inzwischen arbeite ich im Bereich Portraitfotografie. Hierbei muss man natürlich im Vorfeld viel beachten, wie Locationsuche, Terminvereinbarung, Wetterbericht, Kleidung usw. Die eigentliche Arbeit am Tag des Shootings macht aber sehr viel mehr Freude als damals bei den Konzerten, da ich nicht durch das enge Korsett von Vorschriften eingeengt werde und die Begegnung mit anderen Menschen auch einen Wert an sich an. Ganz unabhängig vom Ergebnis der gemeinsamen Arbeit, die ja dann auch eine gemeinsame Erinnerung zur Folge hat.

 

fotobuch_konzertfotobuch (Cover:I Am X)

Imx

Was versuchst du durch deine Fotos zu kommunizieren? 

Ein großer Fotograf hat mal sinngemäß gesagt, dass ein Portrait nicht die fotografierte Person beschreibt und auch nicht den Fotografen, sondern das, was beim Fotografieren zwischen den beiden entstanden ist. Und so ähnlich sehe ich das auch. Ich möchte die Stimmung einer Begegnung verdeutlichen. Ob das Ergebnis gelungen ist, können so gesehen eigentlich nur die beiden Beteiligten beurteilen.

             Fka Twigs_Berlin 2015

 

Welche Art von Fotos machst du am liebsten? 

Fotos, bei denen ich herausgefordert werde, dann aber dennoch zu guten Ergebnissen komme. Klar gelingt das nicht immer, aber es ist schöner, als wenn alles vorhersehbar und zur Routine wird.

 

Und wie viel beschäftigst du dich danach mit ihrer Berarbeitung? 

Die Bearbeitung besteht bei mir lediglich darin, die Scans von eventuellen Staubkörnern zu befreien und ggf. das Format für ein bestimmtes Medium zu verändern. Ich selbst retuschiere keine Fotos. In Einzelfällen hab ich dafür eine liebe Freundin, die mich unterstützt und selbst eines meiner Models ist. 

 

Mit welcher Art von Kamera arbeitest du? 

Mit einer Nikon F6 Kleinbildkamera sowie seit kurzem mit einer Pentax 67 Mittelformatkamera. Meist arbeite ich mit dem Schwarz-Weiß-Film Kodak Tri-X und wenns mal Farbe sein soll, dann Kodak Ektar oder Portra. Entwickeln und scannen lasse ich beim Labor Foto-Görner in Dresden, das ich hiermit sehr empfehlen möchte.

                                                                                                                        Third Side Justice_Tbilisi 2015

 

Digitales oder entwickeltes Foto? 

Ich besitze ich seit einigen Jahren nur noch Filmkameras. Mit der Abkehr von der Konzertfotografie habe ich auch meine Arbeitsweise verändert. Ich drücke bewusster auf den Auslöser und mache nicht mehr jedes Foto. Dabei kam mir das zur Langsamkeit zwingende Arbeiten mit Film entgegen, zumal mir auch der analoge, klassische Look deutlich mehr zusagt als die digitale Hochglanzperfektion.

Ein Traum von mir wäre noch das eigene Fotolabor und ich hoffe, dass sich das eines Tages realisieren lässt.

 

Wie findest du die Tatsache, dass wegen der Verbreitung in den sozialen Medien alle machen Fotos und posten? Wird dadurch die Arbeit von richtigen Fotographen veringert und unterschaetz? 

Es ist schon so, dass die große Masse an überwiegend beliebigen Schnappschüssen ein wenig die Sicht auf die Meisterwerke verstellt, die es nach wie vor gibt. Aber wenn man lange genug sucht, wird man durch die neuen Medien sicher auf Künstler stoßen, von denen man früher kaum erfahren hätte. Daher bin ich persönlich froh, dass ich jetzt lebe und nicht vor 30 Jahren.
Die Fotografen, die heutzutage ihr Geld damit verdienen wollen, haben durch die Masse an Konkurrenz und die sinkende Wertschätzung der Gesellschaft sicher hart zu kämpfen. Das ist aber nicht die alleinige Schuld der sozialen Medien sondern eher ein tiefgründigeres Problem. 

 

Renata_Dresden 2020

 Renata_Dresden2020

Welche Fotografen bewunderst du? 

Sehr wichtig waren und sind für mich die Arbeiten von Peter Lindbergh und Jim Rakete. In den letzten Jahren haben mich jedoch vor allem die Fotos junger georgischer Fotografinnen begeistert, wie z. B. von Sofi Mdivnishvili, Dina Oganova und Mariam Sitchinava,
Ihnen allen gelingt es immer wieder Fotos zu erschaffen, die mich noch lange beschäftigen.
Inspirierend waren allerdings auch einige Filme wie z. B. Blow up, Under fire sowie Palermo Shooting.

                                                                                                                                    Lisa_Köln 2018

 

Hast du jemals eine Fotoausstellung gemacht? 

Dafür gab es schon einige Anfragen, allerdings hat mir nie der Rahmen gefallen, in welchem die Fotos präsentiert werden sollten. Bei der Auswahl von Fotos für ein Konzertfotobuch kam kürzlich schon durchaus Lust auf eine eigene Ausstellung auf, aber konkrete Pläne existieren derzeit nicht. Generell bin ich offen dafür. 

 

Wo können wir Material von deinen Fotos sehen? 

Man kann Fotos von mir z. B. hier sehen:

https://buttenbender.myportfolio.com

https://youpic.com/photographer/buttenbender/?mode=best

Danke sehr, Frank!
Ich bedanke mich auch!

Su_Berlin2020

Su_Berlin 2020